Verantwortung übernehmen – Bist du mental noch ein Kind?

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„Jeder ist seines Glückes eigener Schmied“ – Die Meisten kennen es, dieses alte Sprichwort. Selbst wenn es viele Leute nicht wahr haben wollen, ist in diesem Sprichwort viel Wahres enthalten.

Wenn du deine Träume verwirklichen willst, wirst du nicht darum kommen, die volle Verantwortung für dein Leben zu übernehmen.

Läuft es bei dir in einem bestimmten Lebensbereich nicht so, wie du es dir vorstellst, ist die Chance groß, dass du für diesen Lebensbereich nicht die volle Verantwortung übernimmst. In deinem Leben stehst du heute dort wo du stehst, weil du dich entschieden hast, dort zu sein – bewusst oder unbewusst.

„Freiheit bedeutet Verantwortung. Das ist der Grund, weshalb die meisten Menschen sich vor ihr fürchten.“ – George Bernard Shaw (irischer Dramatiker)

Bevor du gleich über mich herfällst, bitte ich dich, den Artikel erst einmal zu Ende zu lesen. In diesem Artikel lernst du:

  • Inwieweit alles in deiner Macht liegt
  • Warum du immer eine Wahl hast
  • Warum es uns schwer fällt, Verantwortung zu übernehmen
  • Dass alles seinen Preis hat
  • Wie du die Verantwortung für dein Leben übernimmst

Liegt alles in deinen Händen?

Viele Motivationsgurus behaupten, dass alles in deinen Händen liegt. Dieser Absatz sollte in dieselbe Richtung gehen. Durch verschiedene Umstände lag der Artikel – halb fertig geschrieben – 2 Wochen, bis ich ihn fertig schreiben konnte. In dieser Zeit machte ich einige neue Erfahrungen und konnte diese reflektieren.

Die deprimierende Wahrheit ist: Sehr wenig liegt allein in deinen Händen. Nur die Dinge, die in dir selbst ablaufen, kannst du kontrollieren und selbst diese nur bis zu einem gewissen Grad. Du kannst es weder kontrollieren, wenn:

  • du von deinem Partner verlassen wirst
  • dein Schwarm nichts von dir wissen will
  • ein geliebter Mensch stirbt
  • du deinen „sicheren“ Job verlierst
  • deine Lieblingsschokolade ausverkauft ist

Egal was wir tun, egal wie stark wir uns anstrengen, ab einem gewissen Punkt sind wir machtlos.

Das Erkennen dieser Wahrheit mag erst einmal schmerzen. Da Widerstand dagegen zwecklos war, akzeptierte ich frustriert diesen Fakt. Plötzlich spürte ich ein extrem erleichterndes Gefühl in mir. Der ganze Druck, den ich mir zuvor immer gemacht hatte, war auf einmal fort.

Das Erreichen meiner Ziele wollte ich früher oft erzwingen. Jetzt sah ich alles in einem anderen Licht: Ich habe immer alles getan, was ich im damaligen Moment tun konnte und was in meiner Macht stand. Durch äußere Umstände konnte ich jedoch oft nicht das gewünschte Ergebnis erzielen.

Angenommen, du hältst auf der Arbeit eine Präsentation: Du kannst dich noch so gut performen, doch wenn dein Chef gestern einen größeren Streit mit seiner Frau hatte, kann es passieren, dass du seinen ganzen Frust abbekommst. Für den Streit und Frust deines Chefs kannst du nichts, es liegt außerhalb deiner Macht.

Die äußeren Umstände können wir nicht beeinflussen. Sie sind, wie sie sind. Was wir jedoch beeinflussen können, ist, wie wir auf diese Umstände reagieren.

Du hast immer eine Wahl!

Angenommen, du gehst abends im Park spazieren. Plötzlich taucht ein Mann mit einer Maske auf und bedroht dich mit einer Pistole. Er fordert dich auf, ihm dein Portemonnaie und deine Wertsachen zu geben, oder er erschießt dich. Wie entscheidest du dich?

Entscheidest du dich wie ich, gibst du ihm deine Wertgegenstände.

Mit diesem Beispiel möchte ich dir zeigen, dass du eine Wahl hast. Was darf es sein? Der Verlust deiner Wertgegenstände oder der Tod?

In deinem Leben hast du immer eine Wahl wie es als nächstes weiter gehen soll. Diese Wahlmöglichkeit bedeutet Freiheit.

Wie reagierst du auf die äußeren Umstände? Begibst du dich in die Opferhaltung („Oh nein, warum passiert mir das?“) oder übernimmst du die Verantwortung für die neue Situation und versuchst das Beste daraus zu machen?

Jede Widrigkeit des Schicksals trägt den Keim eines noch größeren Vorteils in sich“ – Napoleon Hill (amerikanischer Schriftsteller)

Da ich ein großer Freund der Sprache bin, schauen wir uns das Wort „Verantwortung“ genauer an: In diesem Wort ist das Wort „Antwort“ enthalten. Verantwortung übernehmen bedeutet, auf alles, was dir widerfährt, eine passende Antwort zu haben. Genauso verhält es sich bei dem Wort „Verantwortlichkeit“. In diesem Wort steckt „Antworte auf die Wirklichkeit“.

Sich in die Opferhaltung zu begeben ist definitiv bequemer, als die Verantwortung zu übernehmen. Warum ist das so?

Warum übernehmen wir keine Verantwortung für unser Leben?

Wenn wir geboren werden, sind wir vollkommen hilflos. Alle Entscheidungen werden von unseren Erziehungsberechtigten getroffen. Sie entscheiden z.B. welche Kleidung wir tragen, welches Essen wir bekommen oder auf welche Schule wir gehen.

Wir sind darauf angewiesen, dass all unsere Bedürfnisse von den uns nahestehenden Menschen erfüllt werden. Diese Menschen übernehmen für uns die Verantwortung. Es gilt: „Eltern haften für ihre Kinder“.

In diesem frühen Alter werden wir darauf programmiert, dass die Verantwortung für uns übernommen wird. Unbewusst glauben viele erwachsene Menschen noch immer, dass jemand anderes für ihr Leben verantwortlich ist.

Wenn etwas in ihrem Leben nicht so läuft, wie sie es sich wünschen, werden andere Leute für ihre Situation verantwortlich gemacht:

  • Die Eltern sind schuld, dass aus uns „nichts geworden ist“
  • Der Partner ist schuld, dass wir nicht glücklich sind
  • Der Chef ist schuld, dass wir nicht genug Geld verdienen
  • Die Lebensmittelindustrie ist schuld, dass wir 20kg Übergewicht haben
  • Die Gesellschaft ist schuld, dass wir unzufrieden mit unserem Leben sind

Das bringt dich keinen Schritt weiter.

Dadurch gibst du nur deine Macht ab und begibst dich in eine Opferhaltung, welche komfortabel ist: Denkst du, eine Sache liegt außerhalb deiner Macht, wirst du kein Risiko eingehen, diese Sache zu verändern. Dementsprechend wirst du nicht mit eventuellen „Fehlschlägen“ konfrontiert werden.

Solange du nicht die volle Verantwortung für dein Leben übernimmst, wirst du mental immer ein Kind bleiben.

In dem folgenden Beispiel möchte ich dir zeigen, was es bedeutet, die Verantwortung für sein Leben zu übernehmen.

Verantwortung übernehmen – Ein Beispiel aus meinem Leben

Die folgende Geschichte ereignete sich in einem Nachtclub. Kurz vor 3 Uhr fielen mir zwei attraktive Blondinen auf, die etwas gelangweilt an der Bar saßen.

Ich erkannte meine Chance und wollte sie nutzen. Mein Kumpel meinte nur: „Komm, wir gehen da jetzt hin!“, aber ich zögerte. Wir standen ca. 3 Meter entfernt und ich beobachtete die Situation sowie die ganzen Horrorszenarien in meinem Kopf:

  • „Die beiden haben bestimmt eh einen Freund“
  • „Die mögen mich sicher nicht“
  • „Wenn ich da jetzt hingehe, lachen sie mich bestimmt aus“

Als ich wieder zu den zwei Blondinen herüber schaute, sah ich, dass diese inzwischen von einem anderen Mann – der sicher nicht zu den beiden gehörte – angesprochen worden waren. Die Drei hatten anscheinend viel Spaß.

Enttäuscht und wütend auf mich selbst begann ich, diesen Mann zu mustern: Er war klein, dick und hatte eine Glatze – rein optisch das komplette Gegenteil von mir. Als ich die Situation weiter beobachtete, fiel mir außerdem auf, dass sein rechter Arm kurz unterhalb des Ellenbogens abgetrennt war. Der Mann hatte nur einen Arm!

Obwohl sich dieser Mann in einer vermeintlich deutlich schlechteren Ausgangsposition wie ich befand, hatte er keine Ausreden. Er übernahm die Verantwortung für seine Situation und handelte. Ich starb in Schönheit, weil ich mich wegen der geringen Chance, auf Ablehnung zu stoßen, verrückt machte.

Dieses Ereignis hat mich geprägt.

(Falls du wissen möchtest, wie du deine Ängste überwinden kannst, empfehle ich dir diesen Artikel von meinem Kumpel Anchu auf seinem Blog www.anchukoegl.com).

Alles hat seinen Preis

Jede deiner Handlungen hat Konsequenzen. Warum viele Menschen nicht die Verantwortung übernehmen, hat meist damit zu tun, dass sie die Konsequenzen fürchten. Dementsprechend verweilen sie im Bekannten. Dadurch treffen sie ebenfalls eine Entscheidung: Sie entscheiden sich, in der alten Situation und somit eventuell unglücklich zu bleiben.

Sich diesen oftmals unangenehmen Konsequenzen zu stellen, ist der Preis, den du zahlen musst.

Der Mensch ist Freiheit. Du kannst jederzeit entscheiden, was du tun und lassen willst. Du kannst beispielsweise jederzeit:

  • Deine dich nicht erfüllende Arbeit kündigen
  • Deine ungesunde Beziehung beenden
  • Leute aus deinem Umfeld werfen, die dir nicht gut tun
  • Einen interessanten Menschen ansprechen
  • Eine Bank überfallen (das ist keine Anstiftung, komme nicht auf dumme Gedanken…)

Der Preis, den du in den Fällen zahlen müsstest, ist folgender:

  • Kündigst du deine Arbeit, fällt dein festes Einkommen weg
  • Beendest du deine Beziehung, bist du erst einmal alleine
  • Wirfst du Menschen aus deinem Umfeld, sind sie nicht mehr verfügbar. Im Zweifel bist du ebenfalls alleine
  • Sprichst du einen fremden Menschen an, kann es passieren, dass er ablehnend reagiert
  • Überfällst du eine Bank und wirst dabei erwischt, musst du höchstwahrscheinlich ins Gefängnis

Jedoch bietet sich in allen fünf Fällen eine Chance:

  • Eine Arbeit zu finden, welche dich erfüllt
  • Einen Partner kennen zu lernen, der viel besser zu dir passt
  • Neue Menschen kennen zu lernen, die dir viel besser tun
  • Einen interessanten Menschen kennen zu lernen
  • Wirst du beim Banküberfall nicht gefasst, hast du wahrscheinlich eine Menge Geld zur Verfügung (und nochmal: komm nicht auf dumme Gedanken…)

In den Beispielen 1-4 hast du deutlich mehr zu gewinnen, als dass du verlieren kannst. Ich wäre bereit den Preis zu zahlen. Beim 5. Beispiel wäre mir der Preis zu hoch. Es gibt deutlich mehr (legale) Möglichkeiten, an Geld zu kommen. Außerdem würde es gegen meine persönlichen Werte verstoßen.

Unser Leben ist so, wie es ist, weil wir in der Vergangenheit Entscheidungen getroffen haben, dass es so sein soll. Diese Entscheidungen können auch unbewusst getroffen worden sein.

Denke ab jetzt daran: Du hast immer eine Wahl, jedoch hat alles seinen Preis.

Verantwortung übernehmen – So gelingt es dir in 4 Schritten

  1. Akzeptiere deine aktuelle Situation

    Die Vergangenheit ist, wie sie ist. Egal wie du die Dinge auch anders haben willst, sie werden sich nicht verändern. Nichts, was du tun kannst, hat eine vergangenheitsändernde Wirkung! Ebenfalls bringt dich Selbstmitleid kein bisschen weiter. Spare dir deine Energie für Wichtigeres und akzeptiere die aktuelle Situation.

  2. Frage dich, was du tun kannst, um deine Situation ins Positive zu verändern?

    Du kannst dich bewusst entscheiden, wie du die Welt sehen willst. Wie siehst du die derzeitige Situation? Ist das Glas halb voll oder halb leer? Denke daran: Du hast immer die Wahl, wie du auf die Situation reagierst. Was willst du tun? Stelle dir dafür 2 Fragen: „Was ist der nächste richtige Schritt?“ und „Was ist der Preis dafür?“. Wenn du bereit bist diesen Preis zu zahlen, dann setze diesen Schritt um.

  3. Handle!

    Es wird sich niemals etwas ändern, wenn du nicht handelst! Tue alles, was in deiner Macht steht, um deine Situation zu verbessern. Das ist definitiv der schwerste Schritt und kann eine Menge Selbstdisziplin erfordern. (In diesem Artikel erfährst du, wie du Selbstdisziplin lernen kannst)

  1. Gehe zurück zu Schritt 1

    Wenn du die volle Verantwortung übernimmst und in die Aktion gehst, wird sich eine neue Situation ergeben. Sie ist vielleicht nicht so, wie du es dir vorgestellt hast. Du hast jedoch dein Bestes getan, um deine alte Situation ins Positive zu verändern. Jetzt gilt es, die neue Situation wieder so zu akzeptieren, wie sie ist. Anschließend gehst du zu Schritt 2 über und dann zu Schritt 3. Wiederhole diesen Kreislauf immer wieder, bis du dein gewünschtes Ergebnis hast.

Verantwortung übernehmen – Fazit

Wenig liegt zu 100% in unseren Händen. Wollen wir unsere Träume verwirklichen, können uns äußere Umstände in die Quere kommen. Darauf haben wir keinen Einfluss. Du hast jedoch immer eine Wahl, wie du auf diese äußeren Umstände reagierst. Durch diese Wahlmöglichkeit können wir viel mehr beeinflussen, als dass du aktuell vielleicht denkst.

Verantwortung übernehmen bedeutet, die aktuelle Situation zu akzeptieren, wie sie ist und zu versuchen, das Beste daraus zu machen.

Obwohl ich keiner Religion mehr angehöre und damit Zwang verbinde, möchte ich diesen Artikel mit dem Gelassenheitsgebet des amerikanischen Theologen Reinhold Niebuhr beenden. Es passt sehr gut zu diesem Artikel:

„Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

Ich hoffe, dir hat der Artikel gefallen. Über einen Kommentar und/oder das Teilen des Artikels würde ich mich sehr freuen.

2018-11-20T12:11:06+00:00

9 Comments

  1. Felix 8. September 2016 um 11:21 Uhr - Antworten

    Hallo Andreas,
    Danke für diesen wertvollen Artikel. Ich selbst erwische mich immer wieder dabei, wie ich mich ärgere, weil ein Lebensbereich nicht so ist, wie ich ihn gern hätte. Manchmal muss ich dann lachen, weil ich ja selbst dafür gesorgt habe. Somit bleibt eigentlich kein Grund zu jammern. Ach herrlich. Zu realisieren, dass wir immer eine Wahl haben und es jederzeit ändern können, nimmt viel Last ab.

  2. Othmar 24. März 2018 um 2:13 Uhr - Antworten

    Das alles kommt mir doch etwas arg aus der schnell-cleveren Lebensberatungsecke. Und … Vielleicht möchte ich mir genau das Kind in mir in irgendeiner Ecke für immer bewahren.

    • Andreas 24. März 2018 um 9:04 Uhr - Antworten

      Hallo Othmar, vielen dank für deinen Kommentar.

      Meiner Meinung nach ist die einzige Frage die zählt, ob du bereits das Leben genau so führst, wie du es dir vorstellst. Falls dem so ist -> behalte alles bei. Falls es nicht so ist empfehle ich dir, den Mut zu haben, etwas zu verändern. Und Verantwortung für seine aktuelle Situation zu übernehmen, ist immer einer der ersten Schritte für Veränderung.

      Das Kind in uns wird eh immer da sein und das ist auch gut so. Die Frage ist jedoch, wer die Macht über dein Leben hat: Das Kind oder der Erwachsene…

  3. Uli 13. Juli 2018 um 9:17 Uhr - Antworten

    Frage zum Thema die Wahl haben: Meine Tochter war Schreibaby. Mein Mann zu 200% am Arbeiten. Wo genau hätte ich da die Wahl gehabt? Ich finde dieses die Wahl haben eine ziemlich überhebliche Aussage von Menschen, die meist keine Verantwortung für andere übernehmen mussten. In dem Moment aber, wo ein Kind von mir abhängig ist, muss ich einfach.

    • Andreas 13. Juli 2018 um 10:31 Uhr - Antworten

      Hallo Uli,
      ja du hast recht, ich habe keine Kinder und muss dementsprechend keine Verantwortung für andere Menschen übernehmen. Sobald Kinder da sind, ändert sich natürlich alles. Zu deiner konkreten Situation will ich nichts schreiben, da ich diese nicht genug kenne und nicht weiß, was du alles versucht hast, um die Situation zu verändern.

      Trotzdem hast du im Zweifel die Wahl, mit welcher Einstellung du diese Situationen erlebst: Siehst du dich als Opfer der Umstände und beschwerst dich ständig oder bist du dankbar, dass du eine (hoffentlich) gesunde Tochter hast und freust dich, für sie da sein zu dürfen – auch wenn es natürlich manchmal schwer sein kann. Deine Wahl…

  4. Heike 26. Oktober 2018 um 11:42 Uhr - Antworten

    Hallo Andreas,
    sehr guter Artikel, und sehr gute Reaktion auf die Hilflosigkeit und Wut der Dame mit dem Schreibaby.
    Mich hätte das sekundär verärgert und es wären mir zig Möglichkeiten eingefallen wo sie hätte gemeinsam mit Ihrem Partner Verantwortung übernehmen können.
    Genau das ist mein Thema, es macht mich wütend, wenn Menschen durch Ausreden versuchen die Verantwortung abzugeben, wenn sie gar nicht versuchen zu sehen, wo Ihre Entscheidungsmöglichkeiten waren und sind, wenn Menschen den Sinn, sich selbst zu tragen nicht verstehen, sich in der Opferrolle bewegen und das auch noch zur Schau stellen.
    Ich weiß, es ist meine Entscheidung mich hier vom Überlebens-ich leiten zu lassen, und dieser Ärger über Menschen, die eigentlich einfach nur hilflos und gefangen sind, ist einerseits ungerecht, aber auch unproduktiv und bringt mich kein Stück weiter.
    Aber diese Menschen denken auch nicht darüber nach, was sie ihrem Umfeld mit der eigenen Verantwortungslosigkeit antun, insbesondere den eigenen Kindern. Da wird aus “Überforderung” geschlagen, misshandelt und Zukunft geraubt, mit der Rechtfertigung – ich hatte keine Wahl – wie wäre es mit Verhütung oder warten, bis die persönliche Reife einem Kind gerecht wird?
    Im Prinzip gebe ich hier Verantwortung für meine Emotion ab, weil ich es zulasse, dass es mich so antriggert! Ein weiteres Problem, ich versuche Menschen dazu zu bringen Verantwortung zu übernehmen, die dies gar nicht wollen, weil ich einfach überzeugt davon bin. – Ein Lauf gegen Windmühlen!
    Was ich nochmals sagen will, jeder hat immer die Wahl, in jeder Situation, es ist so leicht zu sagen ich hatte keine! Das ist ein tolles Beispiel für die Kinder! Ich bitte um Verständnis wenn die Kinder kommen und sagen, Mama tut mir leid ich musste die alte Frau ausrauben, da Du mir so wenig Taschengeld gibst, weil Papa so wenig verdient – vermutlich ist letzten Endes Bismark schuld – wie konnte er nur solch schlechte Grundlagen für einen Sozialstaat schaffen!

  5. Heike 26. Oktober 2018 um 12:05 Uhr - Antworten

    Ich muss noch etwas hinzufügen, ich habe selbst ein Kind, eine ganz bewusste Entscheidung, dieses wundervolle Wesen zu bekommen!
    Aber ich arbeite mit Kindern und Jugendlichen, deren Umfeld, die wichtigsten Menschen in ihrem Leben, die Verantwortung abgegeben haben. Diese Kinder wurden geschlagen, missbraucht, misshandelt und vernachlässigt und das Argument der VERANTWORTLICHEN sind immer Ausreden. “Ich konnte nichts dafür, meine Situation war so schlecht”.
    Die Hand fürs schlagen, misshandeln etc. hebt jeder selbst! Niemand ist eine Marionette!

    • Andreas 28. Oktober 2018 um 11:54 Uhr - Antworten

      Hallo Heike, vielen Dank für deinen Kommentar!

      Meiner Meinung nach ist das Problem nicht der Sozialstaat, es ist das Bildungssystem und vor allem auch die Eltern (welche ja immer noch die größten Lehrer sind). Wo sollen es denn die Kinder lernen, dass sie selbst und niemand anders, für ihr Leben verantwortlich sind? Auch den Eltern ist in den meisten Fällen kein Vorwurf zu machen, da auch diese es nicht anders von ihren Eltern gelernt haben usw.

      Meiner Erfahrung nach bringt es auch nichts, jemand anderen zu seinem Glück zwingen zu wollen und ihm/ihr zu sagen, wie er/sie sich verhalten soll. Das Einzige was du machen kannst ist, mit gutem Beispiel voran zu gehen – und ich bin mir sicher, dass du das tust 🙂

  6. Heike 30. Oktober 2018 um 9:30 Uhr - Antworten

    Danke Andreas,
    ich tu mein Bestes.
    Das Bildungssystem ist natürlich problematisch und viele Eltern haben das nicht gelernt. Aber ich denke, dass Grundproblem und die Verantwortung liegt weder im Sozialstaat, noch in der Bildung oder bei den Eltern.
    Jeder Mensch kann in jedem Moment sein leben ändern, aber das erfordert Mut.
    Wenn man plötzlich niemand mehr die “Schuld” geben kann, sondern einem klar wird man hat in jedem Moment selbst die Verantwortung, dass kann schon Angst machen – 😉 oh je es gibt den freien Willen, was fange ich nur damit an?
    Es gibt sehr viele Menschen, die dies nicht gelernt haben, aber dennoch etwas ändern wollten, selbstbestimmt sein wollten. Für mich hat es etwas mit Mut zu tun, aber auch mit Selbstliebe und Selbstfürsorge.
    Ich kann mein Leben nur dann ändern und gestalten, wenn ich selbst die Verantwortung übernehme – das kann jeder, jeden Tag aufs Neue! Wer sich gestallten lassen möchte kann dies gerne tun, aber das jammern darüber nervt einfach…
    Natürlich gibt es Regeln, wie Du beschrieben hast, an die man sich halten sollte, da es sonst Konsequenzen gibt, aber es muss ja keiner in der Gesellschaft bleiben, auch dass lässt sich ändern.
    Somit wünsche ich allen viel Mut und Empathie für sich und andere 😃

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