Prokrastination überwinden in 4 einfachen Schritten

Prokrastination überwinden

„Morgen“ – das mystische Land, in dem 99% der menschlichen Produktivität, Motivation und Leistung verborgen liegt.

Kommt dir das bekannt vor?

Viel mehr Menschen sind von ­Prokrastination betroffen, als du jetzt vielleicht denkst. Sei es…

  • …der Student, der mit dem Lernen beginnen möchte,
  • …der Angestellte, der sich seit Tagen vornimmt seine Hemden zu bügeln,
  • …die Hausfrau, die gerne mit Sport beginnen würde oder
  • …der Unternehmer, der keine Lust hat seine Buchhaltung für den Steuerberater fertig zu machen.

Sowohl kleine Aufgaben, als auch großen Aufgaben – die uns unseren Zielen wirklich näherbringen – schieben wir gerne vor uns her.

Ironischerweise drücke ich mich seit ein paar Tagen davor, diesen Artikel zu schreiben. Das Gute daran ist, dass ich in dieser Zeit meine Prokrastinations-Strategien genau beobachten konnte und sie in diesem Artikel mit dir teilen kann.

Prokrastination steht uns häufig im Weg, wollen wir unsere Ziele erreichen. Wie du Prokrastination überwinden kannst, erfährst du in diesem Artikel.

„Morgen, morgen, nur nicht heute, sagen alle faulen Leute.“ – Christian Felix Weiße (deutscher Schriftsteller)

In diesem Artikel lernst du:

  • Was Prokrastination ist
  • Aus welchen Gründen wir prokrastinieren
  • Ob Prokrastination eine Krankheit ist
  • Wie du Prokrastination überwinden kannst
  • Was die ultimative Deadline darstellt

Was bedeutet Prokrastination?

Das Wort „Prokrastination“ stammt vom lateinischen Wort „procrastinare“ (pro = „für“ und crastinus = „morgig“) ab, welches „vertagen“ bedeutet. Ein anderes Wort für Prokrastination ist „Aufschieberitis“.

Statt sich sofort mit der meist unangenehmen Tätigkeit auseinanderzusetzen und sie zu erledigen, wird die Aufgabe immer wieder aufgeschoben.

Dieses Spiel geht oft solange weiter, bis der/die Betroffene unter starken zeitlichen Druck gerät.

Der klassische Fall für Prokrastination ist sicherlich die Prüfung im Studium: Obwohl das Prüfungsdatum bekannt ist, schiebt es ein Teil der Studenten immer wieder auf, mit dem Lernen anzufangen.

Das Motto dafür lautet: „Ich habe ein Motivationsproblem, bis ich ein Zeitproblem habe.“

Oft sind den Betroffenen die negativen Konsequenzen bekannt, doch trotzdem tun sie nichts dafür die Prokrastination zu überwinden.

Warum ist das so?

Warum schieben wir Dinge gerne auf?

Der Mensch hat zwei Grundmotivationen:

  1. Freude erlangen und
  2. Schmerzen vermeiden

Dabei ist das Bedürfnis Schmerzen zu vermeiden deutlich ausgeprägter, als das Bedürfnis Freude zu erlangen.

Mit einer Tätigkeit die uns Spaß macht, verbinden wir Freude, während wir mit einer Tätigkeit, die uns keinen Spaß macht, Schmerz verbinden.

Sich zu überwinden und für ein Fach zu lernen, welches uns keinen Spaß macht und in dem wir vielleicht keinen Sinn sehen ist unangenehm und verursacht dementsprechend Schmerz.

Auf der Couch zu liegen und sich eine Folge der Lieblingsserie auf Netflix anzusehen ist hingegen einfach und macht Spaß.

Drei Mal darfst du raten, für was sich der durchschnittliche Student entscheidet…

Um dieses Verhalten vor sich selbst zu rechtfertigen, werden die teils lächerlichsten Ausreden erfunden, denen wir glauben schenken:

  • „Es reicht auch, wenn ich morgen anfange…“
  • „Heute ist Weihnachten, da lernt man nicht…“
  • „Ich muss erst den Käfig von meinem Goldhamster einer Grundreinigung unterziehen, dann fange ich an…“

Das Problem an dieser Strategie ist, dass wir oft nicht drum herumkommen, diese Aufgabe irgendwann zu erledigen.

Der Wendepunkt stellt sich ein, sobald die negativen Konsequenzen des weiteren Aufschiebens schmerzhafter sind, als die Tätigkeit an sich selbst.

Irgendwann versteht auch der größte Aufschieber, dass er die Prüfung wohl nicht bestehen wird, wenn er nicht dafür lernt.

Plötzlich werden die Nächte durchgelernt und es läuft quasi wie von selbst – falls es nicht schon zu spät ist…

Doch meist geht es gut und mit Ach und Krach wird die Prüfung bestanden. Anschließend wird sich selbst geschworen, es das nächste Mal nicht soweit kommen zu lassen, bis im nächsten Semester dasselbe Spiel wieder von vorne beginnt…

Gefährlich wird es, sobald es keine Deadline gibt, wie einen festen Prüfungstermin. Dies trifft beispielsweise zu, wenn du…

  • mehr Sport treiben,
  • …den Keller ausmisten oder
  • …dir nebenberuflich ein Unternehmen aufbauen willst.

Diese Tätigkeiten lassen sich quasi ins Unendliche aufschieben, ohne dass wir mittelfristig mit negativen Konsequenzen rechnen müssen…

„Verschiebe nicht auf morgen, was genauso gut auf übermorgen verschoben werden kann.“ – Mark Twain (amerikanischer Schriftsteller)

Was sind weitere Ursachen für Prokrastination?

1. Du bist chronisch faul

Der Mensch ist faul und bequem.

Auch ich schiebe öfter kleinere Aufgaben vor mir her, weil ich im Moment keine Lust darauf habe:

  • In meiner Wohnung div. Reparaturarbeiten durchzuführen
  • Wäsche zu waschen und aufzuhängen
  • Einkaufen zu gehen

Doch solange sich diese Faulheit in Grenzen hält und nur kleine Aufgaben davon betroffen sind, ist alles okay.

Meist gibt es bei diesen Aufgaben eine Schmerzgrenze und sobald diese erreicht ist, wird die Aufgabe zügig erledigt.

Das Problem ist, dass die Schmerzgrenze bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt ist. Meine Schmerzgrenze ist inzwischen vergleichsweise gering, so dass die Tätigkeiten trotzdem zügig erledigt werden.

Schlimm wird es, wenn die Faulheit so stark ausgeprägt ist, dass dein Leben darunter leidet.

Über Faulheit habe ich einen eigenen Artikel geschrieben. Du findest ihn hier: Faulheit überwinden

2. Du bist nicht bereit Arbeit in eine Sache zu investieren

Der Mensch tendiert dazu, das kurzfristige Vergnügen dem vorzuziehen, was für ihn langfristig gesehen die bessere Alternative wäre.

Doch leider sind es oftmals die Dinge, die uns kurzfristig keinen Spaß machen, die dafür sorgen, dass wir erfolgreich werden.

Wir leben in einer Zeit, in der vieles auf Knopfdruck verfügbar ist. Ob du ein…

  • …Buch lesen,
  • …einen Film sehen oder
  • …ein Lied anhören willst,

in der Regel genügen dafür ein paar Mausklicks.

Viele Menschen denken, dass es in allen Lebensbereichen so abläuft und sind zu bequem, Anstrengung auf sich zu nehmen, um ihren Zielen näher zu kommen.

Doch von nichts kommt nichts. Falls du eine Sache wirklich willst, tue etwas dafür!

3. Du siehst keinen Sinn in der Tätigkeit

Wann hast du das letzte Mal für eine Sache so richtig gebrannt?

Hattest du dort Probleme mit Prokrastination?

Vermutlich nicht.

Klar, hin und wieder wirst du dich auch für diese Tätigkeiten überwinden müssen – wie ich mich für diesen Artikel – doch diese Tage sind die Ausnahme und nicht die Regel.

Kurzfristig ist es möglich, Dinge durch reine Willenskraft zu erzwingen. Doch tust du dies dauerhaft und gehst beispielsweise einer Arbeit nach…

  • …in der du keinen Sinn siehst,
  • …die dir keinen Spaß macht und
  • …die du ausschließlich für das Geld tust,

wird dich das mittelfristig höchstens in einen Burnout führen.

Dementsprechend der Tipp an dich: Hinterfrage dich und die Tätigkeiten die du regelmäßig aufschiebst.

Siehst du darin keinen Sinn empfehle ich dir, deine Energie lieber in Dinge zu investieren, in denen du einen wirklichen Wert erkennst.

4. Du hast Angst

Angenommen du willst dir eine selbstständige Tätigkeit aufbauen, die dir viel Freude bereitet und in der du auch einen tieferen Sinn siehst.

Du weißt ganz genau, was du zu tun hast und trotzdem tust du diese Dinge nicht.

Kommt dir dies oder so etwas in der Art bekannt vor?

Ich habe dies schon öfter bei Freunden mitbekommen und konnte mir ihr Verhalten nicht erklären, bis es mir in den letzten Wochen immer wieder bei mir selbst auffiel:

Als ich diesen Artikel schrieb, arbeitete ich parallel daran, mir ein Coachingbusiness aufzubauen, in dem ich ambitionierte Selbstständige und Unternehmer dabei unterstütze, dass sie ihre Ziele schneller erreichen.

Für dieses Vorhaben wollte ich mir Anfang Dezember einen sogenannten Kundenavatar erstellen. Bei einem Kundenavatar handelt es sich um einen fiktiven idealen Kunden, wobei detailliert beschrieben wird, wer er ist und welche Probleme er hat.

Als es mir auch am dritten Tag in Folge nicht gelang meine Prokrastination zu überwinden, hielt ich kurz inne: Mir ist bewusst, dass ich hin und wieder unwichtige Aufgaben vor mir her schiebe, doch dass ich bei A-Aufgaben prokrastiniere, das war mir fremd…

Da ich mich sehr gut kenne, konnte ich entsprechende Strategien anwenden, um meine Prokrastination zu überwinden (siehe Tipp 3) und der Kundenavatar war am nächsten Tag fertig.

Doch als ich bei weiteren Aufgaben vor demselben Problem stand bemerkte ich, dass mich irgendetwas blockierte, doch ich wusste nicht was…

Inzwischen weiß ich, dass es Angst war.

Diese Ängste können Selbstzweifel sein, nach dem Motto: „Wer bin ich denn, dass ich anderen Leuten etwas beibringen soll…“

Eventuell musst du für dein Vorhaben ein großes Risiko eingehen und ein Teil von dir möchte dich davor schützen.

Vielleicht hast du aber auch:

oder eine Mischung aus allem.

Das Problem ist, dass diese Ängste uns oft nicht bewusst sind. Und Prokrastination kann eine unbewusste Strategie von dir sein, dass du dich diesen Ängsten nicht stellen musst.

Stelle dir folgende Frage:

Welche möglichen negativen Folgen könnte es haben, wenn du deine Prokrastination überwindest?

Besorge dir Stift und Zettel und nimm dir 15 Minuten Zeit. Beantworte dir diese Frage auf jeden Fall schriftlich.

Diese Frage hilft dir, verborgene Ängste aufzudecken. Sobald dir deine Ängste bewusst sind, verlieren sie einen Großteil ihrer Macht über dich.

Wichtig ist, dass du diese Ängste anschließend nicht wegdrückst, denn dadurch werden sie nur stärker.

Höre zu, was sie zu sagen haben und habe Verständnis für sie. Die Ängste haben ihre Gründe und wollen dich beschützen.

Es ist einfacher diese Teile von dir auf deine Seite zu bekommen, als mit der Selbstdisziplin-Dampfwalze über sie drüber zu rollen.

Ist Prokrastination eine Krankheit?

Obwohl Prokrastination nicht zu Krankheiten im klassischen Sinn zählt, hat sich die Medizin und Psychologie damit auseinandergesetzt.

So kann Prokrastination beispielsweise:

  • Muskelverspannungen,
  • Schlafstörungen,
  • Herz- und Kreislaufprobleme,
  • Innere Unruhe,
  • Unzufriedenheit,
  • Angst und
  • Hilflosigkeit

auslösen.

Wenn du dauerhaft nicht das tust, was du dir vornimmst, wird außerdem dein Selbstwertgefühl darunter leiden.

Das alles kann in eine Negativspirale führen, die im schlimmsten Fall in einer Depression endet.

Diese Spirale kann aber auch in die andere Richtung gehen: Setzen wir unsere Vorhaben dauerhaft in die Tat um, werden wir uns gut fühlen und wir werden noch mehr Dinge erledigen können. Zusätzlich wird sich unsere Selbstachtung erhöhen.

Auch wenn es unwahrscheinlich ist, kann Aufschieberitis ein Symptom für eine Depression oder eine Angststörung sein.

Sollte alle Tipps nichts bringen, hole dir professionelle Hilfe, um deine Prokrastination überwinden zu können.

Wie können wir Prokrastination überwinden?

Um Prokrastination zu überwinden empfehle ich dir 4 einfache Schritte:

1. Setze klare Prioritäten

„Was ist morgen meine wichtigste Aufgabe?“

„Wenn ich morgen nur eine Aufgabe erledigen dürfte, welche würde es sein?“

Fragen in diese Richtung stelle ich mir jeden Abend. Sie helfen mir bewusst zu machen, welche Aufgaben aktuell die größten positiven Auswirkungen auf mein Leben haben – und somit die höchste Priorität sind.

Allein, dass du deine wichtigsten Aufgaben kennst, kann dir bereits helfen, deine Prokrastination zu überwinden.

Mit der Frage nach meiner wichtigsten Aufgabe für den nächsten Tag, schließe ich am Abend häufig meinen produktiven Tag ab. Der Sinn dahinter ist der, dass ich am nächsten Tag direkt mit dieser Aufgabe beginnen kann und mich nicht erst mit dieser Frage aufhalten muss.

Ob du es glaubst oder nicht, es ist auch möglich, mit Hilfe dieser Frage zu prokrastinieren:

„Ich kann noch nicht anfangen. Ich muss ERST meine Prioritäten setzen, DANN fange ich an…“ – womit wir beim nächsten Thema sind:

2. Achte genau darauf, welche Geschichten du dir selbst erzählst

Oft sind unsere wichtigsten Aufgaben gleichzeitig die unangenehmsten Aufgaben. Aus diesem Grund werden sie häufig mit Hilfe der lächerlichsten Ausreden immer und immer wieder verschoben:

  • „Puh die Wohnung sieht aber aus, heute muss ich den ganzen Tag putzen. Morgen fange ich an…“
  • „Ich erledige erst noch diese kleine B-Prio Aufgabe, dann fange ich an…“
  • „Nur kurz ein Video auf Youtube ansehen, dann fange ich an…“

Diese Ausreden erfinden wir, um unsere Prokrastination auf der rationalen Ebene vor uns selbst zu rechtfertigen. Doch wenn du wirklich ehrlich zu dir bist, weißt du genau, dass es nur Ausreden sind.

Das Gefährliche ist, dass der Grat zwischen Gründen und Ausreden extrem schmal ist. Im Zweifel hilft es, sich selbst objektiv zu kontrollieren.

Schreibe es dir doch mal auf: Bei welchen Aufgaben, an welchen Tagen und mithilfe von welchen „Gründen“ hast du prokrastiniert?

Führe ein solches Buch diszipliniert über 30 Tage und du wirst erstaunt sein, sobald du die Auswertung machst.

Da der Mensch zur Selbsttäuschung neigt, werden die Tage, an denen du prokrastiniert hast wahrscheinlich deutlich höher ausfallen, als du gedacht hast.

Achte also genau darauf, was dir die Stimme in deinem Kopf einreden will.

Du bist nicht diese Stimme. Du hast die Macht zu entscheiden, was du als nächstes tust.

Willst du deine Prokrastination überwinden sind zwei Dinge wichtig:

  1. Die Prokrastination zu erkennen und
  2. Die entsprechenden Gegenmaßnahmen einzuleiten:

3. Kenne für dich funktionierende Strategien, mit denen du deine Prokrastination überwinden kannst

Auch wenn Selbstdisziplin die Basis dafür ist, um Prokrastination zu überwinden (siehe Tipp 4), ist sie nicht unbedingt das Wichtigste.

Wichtiger sind deine Strategien, die du anwendest, um deine Prokrastination zu überwinden.

In Walter Mischels berühmten Marshmallow Experiment konnte beispielsweise ein Kind, welches sich nach nicht mal einer Minute auf die Süßigkeit stürzte, sich über 20 Minuten lang gedulden, wenn es vom Psychologen die richtige Strategie mitbekam und diese auch anwandte.

Es gibt viele Tipps und Tricks, wie du Prokrastination überwinden kannst, doch für jeden funktionieren sie unterschiedlich gut.

Es ist wichtig zu wissen, was FÜR DICH gut funktioniert und dass du diese Strategien immer wieder anwendest.

Solche Strategien können beispielsweise sein:

  • Drückst du dich vor der Arbeit oder vor dem Lernen kannst du dich mit anderen Leuten zum Co-Worken/Learning treffen. Mit anderen Leuten überwindet es sich häufig einfacher.
  • Du kannst einen Freund bitten dich zu kontrollieren, ob du zu einem Stichtag eine bestimmte Aufgabe erledigt hast. Dies sorgt für eine höhere Verbindlichkeit gegenüber der Aufgabe.
  • Zusätzlich kannst du dich selbst bestrafen, sofern eine Aufgabe bis dahin nicht fertig ist. Z.B. mit einer Geldspende an eine Partei, die du auf keinen Fall unterstützen willst.
  • Sich selbst zu belohnen kann auch gut funktionieren. So kannst du dir beispielsweise eine Massage gönnen. Achte jedoch darauf, dass Aufgabe und Belohnung in einem vernünftigen Verhältnis zueinander stehen.

Des Weiteren bin ich ein Freund davon, sich Dinge so einfach wie möglich zu machen.

Einige Aufgaben, die wir immer wieder aufschieben, können wir für ein wenig Geld an andere Menschen auslagern.

Schiebst du es beispielsweise immer wieder auf, deine Wohnung zu putzen und deine Hemden zu bügeln, kannst du dir eine Putzhilfe besorgen, sowie deine Hemden zur Reinigung bringen bzw. nur noch bügelfreie Hemden kaufen.

Es würde jetzt den Rahmen dieses Artikels sprengen, weitere Strategien aufzuzählen. Alle mir bekannten Strategien findest du in meinem Buch, welches voraussichtlich Anfang Februar erscheinen wird.

Finde heraus, was für dich gut funktioniert und wende diese Strategien regelmäßig an. Anschließend geht es darum, einfach anzufangen:

4. Fang einfach an!

Was ist meist das Schlimmste an einer unangenehmen Aufgabe?

Sich dazu zu überwinden und anzufangen. Sobald du mit der Aufgabe begonnen hast, ist es meist halb so schlimm und macht häufig sogar Spaß.

Mit diesem Artikel ist es genauso: Auch wenn ich keine Lust zum Schreiben habe, ist mir bewusst, dass es mir Spaß macht, sobald ich mich überwunden und angefangen habe – zumindest an den meisten Tagen…

Um dich zum Anfangen zu überwinden benötigst du Selbstdisziplin.

Selbstdisziplin ist die Eigenschaft kurzfristig Unannehmlichkeiten auf sich zu nehmen, um dadurch langfristig einen größeren Vorteil zu haben. Selbstdisziplin ist also die Basis, willst du Prokrastination überwinden.

Da unsere Selbstdisziplin zu Beginn unseres Tages am stärksten ist und im Laufe des Tages immer weiter abnimmt, empfehle ich dir, deine wichtigste/unangenehmste Aufgabe so früh wie möglich zu erledigen.

Mache es dir zur Gewohnheit einfach anzufangen. Ausreden hin oder her, solange deine wichtigste Aufgabe nicht erledigt ist (bzw. ein Teil davon), tue nichts anderes!

Weitere Tipps, um zukünftig disziplinierter zu handeln erfährst du in meinem 7-tägigen E-Mail Kurs für mehr Selbstdisziplin. Du kannst ihn dir hier kostenlos zukommen lassen:

Zum Schluss habe ich noch einen Tipp für dich, der dir das Anfangen erleichtern kann:

Stelle dir einen Timer auf 10 Minuten und beginne mit der unangenehmen Aufgabe. Wenn der Timer dann nach 10 Minuten klingelt, hinterfrage dich, ob die Tätigkeit gerade wirklich unerträglich ist.

Falls ja: Höre auf und wage am nächsten Tag einen neuen Versuch.

Falls nein: Mach einfach weiter.

Das Leben ist endlich

Für einige Aufgaben gibt es wie bereits weiter oben beschrieben keine Deadline, die uns notfalls zum Handeln zwingt.

Leider handelt es sich bei diesen Aufgaben oftmals um die Dinge, die uns am wichtigsten sind und die wir wirklich wollen.

Aufgrund irgendwelcher Ängste schieben wir diese Dinge oft immer weiter auf, bis irgendwann die ultimative Deadline auf uns wartet: Der Tod.

Deine Lebenszeit ist begrenzt und am Ende deines Lebens wirst du nicht die Dinge bereuen, die du getan hast, sondern nur das, was du nicht getan hast.

Stelle dir vor du bist 90 Jahre alt und du denkst über dein Leben nach.

Wie soll diese Situation ablaufen und wie willst du dich dabei fühlen?

Willst du zufrieden auf dein Leben zurückblicken, weil du alles in deiner Macht Stehende getan hast, um es nach deinen Vorstellungen zu gestalten?

Oder willst du dir Vorwürfe machen, weil du diese Dinge nicht getan hast?

Da starke Reue der schlimmste emotionale Schmerz ist, den ich kenne, habe ich beschlossen, es nicht so weit kommen zu lassen und mein eigenes Leben zu leben.

Bist du dir deiner Endlichkeit bewusst, wird es dir leichter fallen, deine Prokrastination zu überwinden, für die Dinge, die dir wirklich wichtig sind.

Was du tun kannst ist, dir deine Endlichkeit auf einer visuellen Ebene immer wieder bewusst zu machen:

Bist du beispielsweise 30 Jahre alt und gehst von einer Lebenserwartung von 80 Jahren aus, stehen dir noch 600 Monate (50 Jahre x 12 Monate) zur Verfügung.

So kannst du dir 600 Murmeln kaufen, diese in ein Gefäß füllen und für dich sichtbar in deiner Wohnung aufstellen. Außerdem kannst du jeden Monat eine Murmel aus diesem Gefäß entnehmen.

Alternativ kannst du dir eine Liste erstellen, sie aufhängen und die Monate nach und nach abhaken.

Allein wenn du dieses Gefäß oder die Liste immer wieder siehst, wird es dir helfen, dich auf die wichtigen Dinge in deinem Leben zu fokussieren und diese Dinge anschließend zu erledigen.

Eine Sache noch:

Ich möchte dich nicht deprimieren mit dem Gedanken, dass dein Leben irgendwann zu Ende sein wird.

Ich möchte dich motivieren, aus deinem Leben das Maximale herauszuholen und es nach deinen Vorstellungen zu leben – ohne dich von Prokrastination und Ausreden aufhalten zu lassen.

Du hast nur dieses eine Leben. Nutze es und überwinde deine Prokrastination.

Fazit – Prokrastination überwinden

Prokrastination ist die Eigenschaft, die sich vorgenommen Dinge immer wieder aufzuschieben.

Dies liegt daran, dass der Mensch zwei Grundmotivationen hat:

  1. Freude erlangen
  2. Schmerzen vermeiden

Der Mensch tendiert dazu, dass kurzfristige Vergnügen dem vorzuziehen, was kurzfristig unangenehm ist, für ihn jedoch langfristig die bessere Alternative wäre. Darum passiert es häufig, dass unangenehme Dinge immer wieder aufgeschoben werden.

Für viele der gern aufgeschobenen Dinge gibt es eine Deadline. Die meisten Menschen fangen erst mit dieser Aufgabe an, sobald die negativen Konsequenzen des weiteren Aufschiebens schmerzhafter sind, als die Tätigkeit an sich selbst.

Weitere Gründe für Prokrastination können sein:

  • Chronische Faulheit
  • Kein Wille Arbeit in eine Sache zu investieren
  • Keinen Sinn der der Tätigkeit zu sehen
  • Ängste

Besonders Ängste sabotieren uns häufig bei den Dingen, die uns wirklich wichtig sind.

Frage dich also, was es für mögliche negative Konsequenzen geben könnte, wenn du deine Prokrastination überwindest. Sobald dir deine Ängste bewusst sind, verlieren sie einen Großteil ihrer Macht über dich.

Um deine Prokrastination zu überwinden empfehle ich dir 4 Schritte:

  1. Setze dir klare Prioritäten
  2. Sei Aufmerksam welche Geschichten du dir selbst erzählst und lerne es, wirkliche Gründe von Ausreden zu unterscheiden
  3. Finde heraus, welche Strategien für dich gut funktionieren, um Prokrastination überwinden zu können
  4. Fang einfach an und erledige deine wichtigste/unangenehmste Aufgabe zuerst

Kritisch wird es, wenn es keine Deadline gibt, die uns notfalls zum Handeln zwingt. Häufig haben die Dinge, die uns persönlich am wichtigsten sind, keine Deadline.

Mache dir für diese Dinge immer wieder bewusst, dass du nur dieses eine Leben hast. Dies kann dir dabei helfen, deine Prokrastination zu überwinden.

Was sind deine besten Tipps gegen Prokrastination? Ich freue mich auf deinen Kommentar.

2018-11-20T12:09:39+00:00

5 Comments

  1. Helen Schmidt 7. Februar 2018 um 8:59 Uhr - Antworten

    Hallo Andreas, ich erwische mich immer wieder dabei Dinge zu verschieben. Dein Artikel hat mir geholfen das zu erkennen und so bewusst entgegen dieses Musters zu handeln. Ich freu mich auf mehr von deinen Artikeln !!!

    • Andreas 7. Februar 2018 um 9:38 Uhr - Antworten

      Hi Helen. Schön, dass der Artikel dir helfen konnte und keine Sorge: Es wir mehr Artikel geben 😉

  2. Timo 3. Mai 2018 um 10:12 Uhr - Antworten

    Bei allem Respekt, Prokrastination hat ganz sicher mit Faulheit zu tun, mit dem inneren Schweinehund und mit einer Kein-Bock-Attitude. Natürlich gibt es auch andere Faktoren, Depressionen etc., aber hauptsächlich ist doch jeder Mensch seines eigenen Willens Herr, d.h. er kann einfach mal sich auf den Hosenboden setzen und was erledigen.

    Alles andere sind Ausreden. Natürlich ist einem die Aufgabe zuwieder, natürlich verdrängt man gerne das Abgabedatum, aber eigentlich weiß man trotzdem ganz genau, dass man jetzt nicht im Handy spielen oder die vierte Folge der neuen Serie schauen sollte. Zumindest bei dem Großteil der Betroffenen würde ein gewisses Maß an Selbstdisziplin das ganze Problem schnell lösen.

    • Rene 6. November 2018 um 22:22 Uhr - Antworten

      Dem würde ich widersprechen. Ich denke, bei den meisten Prokrastinierern ist eben NICHT Selbstdisziplin das Problem, sondern irgendeine Störung/Syndrom/usw. Ich hab gar eine wissenschaftliche Abhandlung zum Thema Zeitmanagement gelesen, dernach diese ganzen Zeitmanagementstrategien (Eisenhower, Pareto, Pomodoro, Eat-the-Frog usw) den Leuten, die sie am dringensten brauchen, überhaupt nichts bringen, weil die Nichtkenntnis dieser Strategien und fehlende Selbstdisziplin einfach nicht das Problem ist. Das Problem sind dann eher Angststörungen (inkl. Perfektionismus, der im Grunde eine Versagensangst ist) oder Störungen, die die Selbst-Regulation bzw. das sog. „execute functioning“ beeinträchtigen, wie etwa Depressionen, ADHS oder Autismus. Im folgenden Artikel wurde chronische Prokrastination in Verbindung mit ADHS untersucht, mit dem Ergebnis, dass 75% der Leute mit ADHS chronische Prokrastinierer sind. Während bei den Leuten ohne ADHS nur 35% in diese Kategorie fallen. Nun wäre es zusätzlich interessant diese 35% mal auf Angststörungen, Depressionen und Autismus hin zu untersuchen und wer weiß, am Ende blieben u.U. gar keine „normalen“ chroischen Prokrastinierer übrig… der Artikel: https://www.psychologytoday.com/us/blog/dont-delay/201809/adhd-and-procrastination

  3. Rene 6. November 2018 um 22:24 Uhr - Antworten

    Dem würde ich widersprechen. Ich denke, bei den meisten Prokrastinierern ist eben NICHT Selbstdisziplin das Problem, sondern irgendeine Störung/Syndrom/usw. Ich hab gar eine wissenschaftliche Abhandlung zum Thema Zeitmanagement gelesen, dernach diese ganzen Zeitmanagementstrategien (Eisenhower, Pareto, Pomodoro, Eat-the-Frog usw) den Leuten, die sie am dringensten brauchen, überhaupt nichts bringen, weil die Nichtkenntnis dieser Strategien und fehlende Selbstdisziplin einfach nicht das Problem ist. Das Problem sind dann eher Angststörungen (inkl. Perfektionismus, der im Grunde eine Versagensangst ist) oder Störungen, die die Selbst-Regulation bzw. das sog. „execute functioning“ beeinträchtigen, wie etwa Depressionen, ADHS oder Autismus. Im folgenden Artikel wurde chronische Prokrastination in Verbindung mit ADHS untersucht, mit dem Ergebnis, dass 75% der Leute mit ADHS chronische Prokrastinierer sind. Während bei den Leuten ohne ADHS nur 35% in diese Kategorie fallen. Nun wäre es zusätzlich interessant diese 35% mal auf Angststörungen, Depressionen und Autismus hin zu untersuchen und wer weiß, am Ende blieben u.U. gar keine „normalen“ chroischen Prokrastinierer übrig… der Artikel: https://www.psychologytoday.com/us/blog/dont-delay/201809/adhd-and-procrastination

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